Viele verbinden den Winter mit kahlen Beeten und einer gärtnerischen Pause. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Zahlreiche Gemüsearten wachsen auch bei niedrigen Temperaturen weiter oder lassen sich den ganzen Winter über ernten. Mit der richtigen Planung kannst Du selbst in den kalten Monaten frisches, regionales Gemüse direkt aus dem Garten, Hochbeet oder Balkonkasten genießen.
In diesem Beitrag erfährst Du,
- welches Wintergemüse sich besonders eignet,
- wann Du Wintergemüse aussäen solltest,
- welche Sorten frosthart sind,
- wie der Anbau im Hochbeet oder auf dem Balkon gelingt und
- worauf Du im Winter besonders achten solltest.
Möchtest Du direkt loslegen? Mit unserem Wintergemüse-Saatgutset erhältst Du eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl samenfester Bio-Sorten für die Herbst- und Winterernte.

Was ist Wintergemüse?
Als Wintergemüse bezeichnet man Gemüsearten, die niedrige Temperaturen gut vertragen und auch in den kalten Monaten wachsen oder geerntet werden können. Manche Sorten wachsen selbst bei Frost weiter, andere stellen ihr Wachstum im Winter weitgehend ein und können über mehrere Wochen oder Monate frisch aus dem Beet geerntet werden.
Dazu gehören nicht nur bekannte Klassiker wie Grünkohl oder Feldsalat, sondern über 100 verschiedene Gemüse- und Kräutersorten – von Asia-Salaten über Winterheckenzwiebeln bis hin zu Wurzelgemüse.
Warum lohnt sich der Anbau von Wintergemüse?
Wintergemüse bietet viele Vorteile:
- frisches Gemüse auch in der kalten Jahreszeit
- regionale und saisonale Ernte statt Importware
- kurze Transportwege
- bessere Ausnutzung von Hochbeeten und Balkonkästen
- lebendiger, geschützter Boden über den Winter
- abwechslungsreiche Winterküche
Gerade im Winter stammen viele Salate und Gemüse im Supermarkt aus Südeuropa. Dabei lassen sich zahlreiche Sorten problemlos auch in Deutschland anbauen und frisch ernten.
Wann wird Wintergemüse ausgesät?
Der Begriff Wintergemüse ist etwas irreführend: Die meisten Kulturen werden nicht im Winter, sondern bereits im Sommer oder Frühherbst ausgesät.
| Gemüse | Aussaat | Ernte |
|---|---|---|
| Feldsalat | August – Oktober | Oktober – März |
| Spinat | August – Oktober | Oktober – März |
| Winterportulak | August – Oktober | Oktober – März |
| Asia-Salate | Juli – Oktober | September – April |
| Rucola | Juli – September | September – Dezember |
| Pak Choi | Juli – September | September – Dezember |
| Winterrettich | Juli – August | September – Dezember |
| Winterheckenzwiebel | März – Juli | Juni – Dezember & ab Februar des Folgejahres |
| Knoblauch (Steckknoblauch) | September – Oktober | Juni – Juli |
Eine ausführliche Übersicht findest Du auch in unserem Aussaatkalender sowie in den Beiträgen Aussaat im August und Aussaat im September.
Welches Wintergemüse eignet sich besonders?
Wintersalate und Blattgemüse
Blattgemüse gehört zu den einfachsten Kulturen für den Winteranbau.
Besonders gut geeignet sind:
- Feldsalat
- Winterportulak (Postelein)
- Spinat
- Mangold
- Rucola
- Asia-Salate wie Mizuna, Tatsoi oder Red Giant
- Hirschhornwegerich
Viele dieser Sorten wachsen auch bei niedrigen Temperaturen weiter und liefern über Monate frische Blätter.

Winterharte Kohlgewächse
Auch viele Kohlarten vertragen Frost erstaunlich gut.
Dazu gehören:
- Grünkohl
- Palmkohl
- Rosenkohl
- Flower Sprouts (Rößchenkohl)
- Rotkohl
- Weißkohl
- Chinakohl
- Pak Choi
- Kohlrabi (frühe Herbstkultur)
- Winterblumenkohl
- Winterbrokkoli (Sprossbrokkoli)
Grünkohl entwickelt nach den ersten Frösten sogar ein besonders mildes Aroma, da ein Teil der Stärke in Zucker umgewandelt wird.

Winterharte Wurzelgemüse
Viele Wurzelgemüse können den Winter im Boden verbringen und nach Bedarf geerntet werden.
Dazu zählen:
- Pastinaken
- Schwarzwurzeln
- Topinambur
- Wurzelpetersilie
- Haferwurzeln
- Karotten (bei leichten Frösten)
- Rote Bete (bei leichten Frösten)
Für eine Herbst- und Winterernte eignen sich außerdem:
Eine besondere Spezialität ist die Kerbelrübe. Sie benötigt mehrere Wochen kühles, feuchtes Wetter zum Keimen und wird deshalb im Herbst ausgesät. Erntereif ist sie allerdings erst im darauffolgenden Sommer.

Winterharte Kräuter
Auch viele Kräuter bleiben den Winter über nutzbar.
Geeignet sind unter anderem:
- Petersilie
- Koriander
- Kerbel
- Schnittsellerie
- Rosmarin
- Salbei
- Thymian
- Oregano
- Bohnenkraut

Weitere spannende Wintergemüse
Neben den bekannten Kulturen gibt es einige echte Geheimtipps.
Winterheckenzwiebel
Die Winterheckenzwiebel ist mehrjährig und äußerst robust. Selbst nach Frost treibt sie zuverlässig wieder aus und liefert fast das ganze Jahr frisches Zwiebelgrün.
Erbsensprossen
Wintererbsen können bereits im Herbst ausgesät werden. Zwar bilden sie erst im nächsten Jahr Schoten, die jungen Triebe lassen sich jedoch bereits im Winter ernten und schmecken angenehm süßlich.

Wintergemüse im Hochbeet
Ein Hochbeet eignet sich hervorragend für den Winteranbau. Durch die erhöhte Lage erwärmt sich der Boden im Herbst schneller und bleibt oft länger frostfrei.
Achte darauf,
- freie Flächen nach der Sommerernte sofort neu zu bepflanzen,
- den Boden mit Kompost zu versorgen,
- Staunässe zu vermeiden und
- bei starkem Frost ein Gartenvlies bereitzuhalten.

Wintergemüse auf dem Balkon
Auch auf einem Balkon lässt sich problemlos Wintergemüse anbauen.
Besonders geeignet sind:
Verwende möglichst große Pflanzgefäße, da diese im Winter nicht so schnell vollständig durchfrieren.
Wintergemüse vor Frost schützen
Viele Wintergemüse benötigen gar keinen besonderen Schutz und überstehen bis zu -15°C im Freiland.
Empfindlichere Kulturen profitieren jedoch von:
- Gartenvlies
- Frühbeetaufsätzen
- unbeheizten Gewächshäusern
- einer windgeschützten Hauswand
- einer Mulchschicht zum Schutz des Bodens
Wichtig ist außerdem, gefrorene Blätter möglichst nicht zu berühren, da das Pflanzengewebe dadurch beschädigt werden kann.
Die häufigsten Fehler beim Wintergemüse
Zu spät aussäen
Die meisten Wintergemüse werden bereits zwischen Juli und September ausgesät.
Im Herbst zu stark düngen
Stickstoffreiche Dünger fördern weiches Pflanzengewebe und können die Frostverträglichkeit verringern. Im Herbst reicht ein gut versorgter Boden meist aus.
Besser ist es etwas Urgesteinmehl in die Erde einzuarbeiten – die enhaltenen Spurenelemente stärken das Pflanzengewebe und machen es so Widerstandsfähiger gegen Frost.
Zu viel gießen
Im Winter verdunstet deutlich weniger Wasser. Gieße deshalb nur an frostfreien Tagen und vermeide Staunässe.
Zu kleine Pflanzgefäße
Kleine Töpfe frieren schneller durch. Größere Gefäße bieten den Wurzeln einen besseren Frostschutz.
Häufige Fragen zum Wintergemüse
Welches Gemüse wächst im Winter?
Feldsalat, Spinat, Winterportulak, Asia-Salate, Grünkohl, Palmkohl, Winterheckenzwiebeln und viele weitere Kulturen wachsen oder bleiben auch im Winter erntefähig.
Wann sollte man Wintergemüse aussäen?
Die meisten Wintergemüse werden zwischen Juli und September ausgesät bzw. gepflanzt.
Kann man Wintergemüse auf dem Balkon anbauen?
Ja. Viele Blattgemüse und Kräuter gedeihen problemlos in Balkonkästen oder größeren Pflanzkübeln.
Muss Wintergemüse vor Frost geschützt werden?
Viele Arten sind frosthart. Bei längerem oder sehr starkem Frost kann ein Gartenvlies oder ein ungeheiztes Gewächshaus zusätzlichen Schutz bieten.
Unser Tipp für einen einfachen Einstieg
Wenn Du ohne lange Planung mit dem Wintergemüseanbau starten möchtest, ist unser Wintergemüse-Saatgutset ideal. Es enthält sorgfältig ausgewählte, samenfeste Bio-Sorten, die sich optimal für die Aussaat im Spätsommer und eine abwechslungsreiche Winterernte eignen.

Weitere hilfreiche Beiträge
- Aussaatkalender – Alle Aussaattermine im Überblick
- Aussaat im August – Diese Gemüse kannst Du jetzt noch säen
- Aussaat im September – Die letzte große Aussaat für den Winter
Du hast Lust dein eigenes Wintergemüse anzubauen? Dann schau doch mal nach geeignetem Saatgut in unserem Online-Shop! Oder besuch unseren Wintergemüse-Workshop.
Weitere Beiträge rund ums Urban Gardening findest Du hier.